Oldies but Goldies

von Denise Zabel

Auch nach unserem Beitrag „Der Schreibtisch von 1980 bis heute“ im August 2016 haben wir uns weiterhin intensiv mit dem Wandel der Zeit beschäftigt. Wir sehen erwartungsvoll der technischen Entwicklung entgegen, erinnern uns aber auch gerne an Produkte zurück, die uns in der Vergangenheit begleitet haben.

Was alt ist muss nicht schlecht sein. Auch in der digitalen Welt finden sich dafür zahlreiche Beispielprodukte. Erinnern Sie sich noch an das stabile Nokia 5110, dass selbst nach zahlreichen Stürzen immer noch eine perfekte Performance lieferte? Oder an den alten Game Boy, die tragbare 8-Bit-Spielkonsole von Nintendo, aus den frühen 90ern? Man hatte das Gefühl, das weder Regen, Feuer noch sonstige Naturgewalten dieser Hardware etwas anhaben konnte, oder? Produkte, die einfach „unkaputtbar“ erschienen. So auch die folgenden zwei Klassiker, die dem digitalen Wandel bis heute erfolgreich trotzen:

Der Workaholic

Im September letzten Jahres lässt eine Meldung aus der polnischen Stadt Gdańsk die Herzen vieler Liebhaber höherschlagen. In einer kleinen Kfz-Werkstatt steht ein alter Commodore C64 und verrichtet bis zum heutigen Tag unermüdlich seinen Dienst! Seit über 25 Jahren läuft der sichtlich in die Jahre gekommene „Dino“ ununterbrochen und wird von seinem Besitzer eingesetzt, um Antriebswellen auszubalancieren. Selbst eine Flut hat der resolute Arbeiter überstanden. Wann dieser wohl letztendlich in den verdienten Ruhestand geht bleibt offen. Hoffen wir, dass das gute Stück noch eine Weile durchhält.

Commodore C64 in einer polnischen Autowerkstatt

(Foto: Piotr Farmas/Commodore USA)

Der erste Commodore C64 lief im Jahr 1982 vom Band. Er gilt als der meistverkaufte Heimcomputer der 80er und war sowohl als Spielcomputer (Müssen Sie auch direkt an Pong, Pacman oder Asteroids denken?) als auch zur Softwareentwicklung äußerst populär. Der 8-Bit-Heimcomputer mit 64 Kilobytes Arbeitsspeicher wurde bis 1993 produziert und nach dem Verkaufsstart in Deutschland für 1.495 DM an den Verbraucher gebracht.

Der Steuermann

Im Juni 2015 sorgte bereits ein anderes Commodore Modell für Aufsehen: Im US-Bundesstaat Michigan steuert seit 30 Jahren ein Commodore Amiga die Heizungs- und Klimaanlage von 19 Schulen. Das „Relikt aus den 80ern“, wie CRN ihren Bericht über die treue Hardware einleitet, wurde im Jahr 1985 mit der Hilfe von Fördermitteln gekauft und befindet sich seither Tag und Nacht im Einsatz! Die Programme schrieb damals ein High-School-Schüler, der bei Problemen mit dem Ultrarechner auch weiterhin konsultiert werden muss.

Der 7,14 MHz starke Amiga 2000 verrichtet seine Arbeit nahezu tadellos. Die Verbindung des Rechners mit den einzelnen Schulen erfolgt über ein 1200-Bit-Modem und eine Funkstrecke. Es gibt lediglich einen „Makel“, mit dem sich die Verantwortlichen seit Jahren arrangieren: Das System und die Walkie-Talkies der Hausmeister nutzen die gleiche Frequenz! Kollidieren die Systeme, so herrscht ein 15-20-minütiges Walkie-Talkie-Verbot für alle Hausmeister. Erst wenn die Anlagen wieder einwandfrei laufen, dürfen die Hausmeister ihre Geräte wieder einschalten.

Bis heute mussten an dem rüstigen Amiga nur wenige Austausche an der Peripherie vorgenommen werden. Zum Glück, denn Ersatzteile können verständlicherweise nur noch schwer aufgetrieben werden. Dennoch ist der Austausch von 3 Monitoren und 2 Mäusen ein bemerkenswerter Schnitt. Wohlbemerkt, der Computer hat 3 Jahrzehnte auf dem Buckel.

Der Austausch des antiken Komplettsystems durch ein neues Modell würde zwischen 1.7 und 2 Millionen US-Dollar kosten. Die Erneuerung der Anlage steht laut dem verantwortlichen Gebäudetechniker Hopkins mittlerweile ganz oben auf der Liste. Leider haben wir keine Informationen finden können, ob das fleißige Exemplar auch heute noch im aktiven Dienst steht oder mittlerweile ein Nachfolger für die richtige Temperatur in den Klassenzimmern sorgt.

Zwei treue Klassiker, die ihren Anschaffungskosten unzählige Male gerecht werden konnten. Über welche Produkte im Jahr 2042 berichtet werden könnte? Das wissen wir natürlich nicht, lassen uns aber sehr gerne überraschen!

 

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