TEAMFÄHIGKEIT – diese Eigenschaft besitzen viele, oder?

von Viviane Hansmann

Teamfähigkeit ist eine der meist geforderten und beworbenen Eigenschaften bei Stellenanzeigen und Jobbewerbungen. Fragt man Arbeitgeber oder Bewerber nach den genauen Attributen der Teamfähigkeit, erhält man meist jedoch keine konkrete Antwort. Fakt ist, dass die wenigsten Unternehmen nach Einzelkämpfern suchen. Arbeiten im Team, gerade in Zeiten von vermehrter Projektarbeit ist wichtiger denn je. Doch womit zeichnet sich Teamfähigkeit aus und wann ist man überhaupt teamfähig?

Eine beispielhafte Definition zur Teamfähigkeit besagt, dass jemand teamfähig ist, der …

  • konstruktiv mit anderen zusammenarbeiten kann
  • in der Vielfalt von Charakteren, Meinungen und Talenten eine Bereicherung sieht
  • respektvoll und tolerant mit Meinungsunterschieden umgeht
  • sich in der Gruppe engagiert und mithilft
  • sich motivierend einbringt
  • eigene Ideen selbstbewusst vertritt
  • kompromissfähig bleibt
  • Kritik annimmt
  • rücksichtsvoll bleibt
  • Streit in der Gruppe schlichten kann
  • eine hohe Frustrationstoleranz mitbringt
  • auf andere im Team achtet
  • diszipliniert und zuverlässig seine Aufgaben erledigt
  • gemeinsam mit anderen ein Ziel verfolgt

Teamfähigkeit steht damit im Spannungsverhältnis zwischen Selbstreflektion und Empathie auf der einen Seite und Konfliktfähigkeit und Querdenkertum auf der anderen. Doch welcher Arbeitsstil ist produktiver? Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Der  Ringelmann-Effekt besagt, dass Menschen in der Gruppe eine geringere kollektive physische Leistung erbringen, als aufgrund der summierten Einzelleistungen zu erwarten wäre. Das heißt, dass mehrere Einzelkämpfer eine höhere Leistung als ein Team erbringen. Wahr ist eben auch: Schon ein Faulpelz reicht, um ein ganzes Team zu versauen.

Weiterhin bescheinigen Studien immer wieder, dass Menschen, wenn sie versuchen Gruppenentscheidungen zu treffen, die meiste Zeit damit verbringen, Dinge zu erzählen, die schon alle wissen, aber noch nicht alle gesagt haben. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Mithilfe der sogenannten Marshmallow Challenge, könnten Sie herausfinden, wie gut Ihr Team wirklich ist. Dabei sollen einzelne Teams einen Turm aus Spaghetti bauen. Die Regeln dieser Challenge sind simpel. Jedes Team erhält:

  • 20 Spaghetti
  • 1 Rolle Klebeband
  • 1 Rolle Bindfaden
  • 1 Marshmallow

Ziel ist es, binnen 18 Minuten den höchstmöglichen, freistehenden Turm zu bauen auf dessen Spitze der Marshmallow stecken muss.

Keine allzu schwere Aufgabe, sollte man meinen. Üblicherweise beginnen die Teams auch sofort damit, zu kollaborieren: Sie diskutieren diverse Bauarten, planen das Konstrukt und beginnen schließlich damit, einen solchen Spaghetti-Turm zu erschaffen. Bis 18 Minuten später - Ta-da! - der Turm steht und jemand triumphal den Marshmallow oben aufsteckt. Was aber mehrheitlich passiert, ist, dass sich das Ta-da!-Erlebnis in eine Oh-Oh!-Krise verwandelt und der Turm zusammenbricht.

Wie sich bei diversen Experimenten mit der Marshmallow Challenge zeigte, waren die schlechtesten Teams ausgerechnet Absolventen einer Business School: Sie bekriegten und betrogen sich, arbeiteten nicht zusammen, sondern gegeneinander oder ließen andere für sich arbeiten.

Die Gruppen, die dagegen am besten abschnitten und praktisch nie an der Aufgabe scheiterten, waren - Kindergartenkinder. Denn: Zu keinem Zeitpunkt hatte eines der Kinder versucht, CEO von Spaghetti Inc. zu werden. Eitle und Kräfte zehrende Rivalitätskämpfe fielen damit weg.

Der zweite Grund ist aber noch interessanter: Die Business-School-Absolventen waren darauf trainiert, die einzig richtige Lösung zu finden. Wenn sie dann aber den Marshmallow auf die Spitze piksten und die ganze Konstruktion zusammenbrach, hatten sie keine Zeit mehr, eine neue zu bauen - und erlebten eine klassische Krise.

Die Kindergartenkinder hingegen begannen einfach mit einer Marshmallow-Spaghetti-Kombination und bauten darauf basierend Prototypen - einen um den anderen. Immer mit dem Marshmallow oben auf. So verbesserten sie ständig ihre Konstruktion, erlebten Erfolge und Irrtümer, hatten am Ende die ungewöhnlichsten Bauwerke - aber eben auch solche, die aufrecht standen. Und natürlich bekam jeder im Kinder-Team unmittelbar Feedback darüber, was funktionierte und was nicht.

Wichtig ist, dass schon bei der Auswahl der Teams bestimmte Rollen idealerweise besetzt sein sollten. Das wohl bekannteste Modell dazu stammt aus den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts von dem britischen Psychologie-Professor Meredith Belbin. Er identifizierte neun Charakter - Typen die er 1981 zu seinem Rollenmodell zusammenfasste:

 

Natürlich hat das Rollenmodell im Alltag auch seine Schwächen, denn häufig werden Teams nicht nach dem entsprechenden Modell besetzt, sondern nach Beliebtheit und/oder Verfügbarkeit entsprechender Mitarbeiter. Dennoch sollte man immer ein Auge darauf haben, die Teams nicht zu heterogen zu besetzen, sondern mit unterschiedlichen Charakteren. Je verschiedener die Menschen, desto besser und kreativer sind die Lösungsansätze und desto optimaler komplettieren sie sich auch in ihrer alltäglichen Arbeit.

Quelle: karrierebibel.de / arbeits-abc.de / wikipedia

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